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Es ist passiert.

Das Patriarchat ist zu Ende - Die Frauen glauben nicht mehr daran und damit ist es zu Ende. Es hat so lange ge­dauert, wie es für das Den­ken der Frauen etwas bedeu­ten konnte. Jetzt, da es dazu nicht mehr imstande ist, kann es nicht weiter­existieren. Das heißt nicht, daß die Frauen dem Patriar­chat zugestimmt hätten - zuviel wurde ohne sie und gegen sie beschlossen: Gesetze, Dogmen, Eigen­tums­verhält­nisse, Sitten und Gebräuche, Hierarchien, Rituale, Lehrpläne... Es war eher ein »Aus der Not eine Tugend machen«. Und das machen die Frauen heute nicht mehr - heute leben wir in anderen Zeiten, was sich schon daran erkennen läßt, daß die Dinge, die ohne und gegen die Frauen beschlos­sen wurden, allmählich ver­schwinden - gerade als ob sie den Frauen gehorchen würden. Wie seltsam! Aber vielleicht gilt ja für die Herr­schaftsverhält­nisse dasselbe wie für die Liebe, nämlich daß zwei dazu­gehören? Und jetzt macht die Frau nicht mehr mit, sie ist nicht mehr dieselbe, sie hat sich verän­dert, wie man so schön sagt. Aber damit ist nicht alles gesagt. Es geht nämlich nicht um eine beliebige Veränder­ung. Heute bewegen sich Frauen - aber nicht nur Frauen - auf eine Art und Weise in der Welt, die klar und deutlich zeigt, daß das Patriarchat am Ende ange­langt ist. ... Leichtigkeit könnten wir das nennen. Oder weibliche Freiheit - denn daran gemessen verschwinden, für Frauen wie für Männer, sämtliche Vorteile der patriarchalen Herrschaft. Diese Vorteile gibt es nämlich durchaus, zum Beispiel die Identität: Herrschaft schafft Identität - sowohl für diejenigen, die sie ausüben, als auch für die, die ihr untergeben sind. Gerade das Bedürfnis nach Identität hat viele Formen von Knecht­schaft aufrechterhal­ten. Wenn das Patriarchat nun im Denken der Frauen nicht mehr als ordnendes Prinzip funktioniert, geht es vor allem als identitätsstif­tende Herrschaft unter. Die Frau gehört ihm nicht mehr - alles übrige wird sich daraus ergeben und hat sich bereits daraus ergeben, und zwar so verwirrend schnell, daß es viele (womöglich gerade die, die sich für besonders intelli­gent halten) gar nicht begrei­fen. Hie könnte der Ein­wand kommen: Wenn das stimmt, was ihr hier behauptet, warum ist es dann nicht für alle sichtbar? Eine Sache von solchen Ausmaßen müßte doch, wenn sie wahr ist, für alle erkennbar sein. Das ist sie auch. Doch damit sie wirk­lich sichtbar wird, ist ein Bewußtwerdungsprozeß erforderlich. Jeden Tag wird sie deutlicher: Noch bis vor einem Jahr konnte man sich dem Glauben hingeben, es handle sich um einen auf die reichen Industrieländer beschränkten kulturellen Wandel. ...vielleicht geht es um die Bedeutung der Begriffe »links« und »rechts« selbst: Mit dem Verschwin­den des Kommunismus' wird links/rechts immer mehr zu einer rein funktio­nalen Differenz innerhalb der repräsentativen Demo­kratie. Der Gegensatz rechts/links verliert jedenfalls mit Sicherheit seinen Sinn, wenn es um die Politik der Frauen, und damit, lang­fristig gesehen, um die Politik geht, denn immer mehr ist die Politik die Politik der Frauen.


Auszug aus: Libreria delle donne di Milano: Rotes Sottosopra / Das Patriarchat ist zu Ende / Es ist passiert - nicht aus Zufall http://sottosopra0.tripod.com/

 
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