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Wann kommt die Schmierwelle 2.0?

Überlegungen zum Kampf gegen antisemitsiche Tendenzen

Weihnachten 1959 beschmierten zwei 25jährige Männer die erst kurz zuvor eingeweihte Kölner Synagoge mit Hakenkreuzen und antisemitischen Parolen. Sie gehörten der "Deutschen Reichspartei" an, deren Kölner Kreisvorsitzende sie aber wohl an die Polizei verriet, um ein Verbot seiner Partei abzuwenden. Es blieb jedoch nicht bei diesem Einzelfall. Bis Ende Januar 1960 kam es im Bundesgebiet und West-Berlin zu nicht weniger als 700 Anschlußtaten, Schändung jüdischer Friedhöfe, "Deutsche fordern Juden heraus!", hastig geschmierte Parolen an Häuserwänden. Kaum 15 Jahre nach Auschwitz erlebte die junge BRD das erste explizite Wiederaufleben des Antisemitismus, die Schmierwelle 1959/60.

Explizit antijüdische Ausfälle an exponierter Stelle waren in der BRD relativ selten und wurden abgestraft, wenn auch der Art des Umgangs...

Hohmann / Möllemann

Für die aktuelle Situation ist eine schon fast wieder vergessene Begebenheit in 2009

Der heutige Bundespräsident Wulf / Sinn Pogromstimmung gegen "Bänkster"

Es nicht die Frage OB, sondern nur wann sie stattfinden und welche Gestalt Sie annehmen wird. Darüber jedoch lassen sich qualifizierte Spekulationen anstellen.

Ohne Zweifel wird dieser Text mehr als einen pessimistischen Insider finden, der sich ob dieser naiven Fragestellung ein gequälten Kommentar, abbringt, ist schon alles längst gelaufen, wir habe schon verloren.

Der entkernte Antisemitismus

Gesetzt die wohl unstrittige Wandlungsfähigkeit des A.

Antisemiten kämpfen um Def. A.

Sinns Referenz auf die Judenverfolgung wurde als verharmlosend abgestraft, dabei führen hierrzulande mit gewisser Zwangsläufigkeit alle Wege des Bösen nach Braunau. Ausschitz, DIE Methapher schlechthin für das Böse.

Der unmenschliche Umgang mit Asylsuchenden und Migranten, Hartz IV, zynische Kostenabwägungen im Gesundheitswesen, Sarrazins Sozialrassismus rechtfertigen iS. von Struikturähnlichkeit die Referenz.

Wer den Kampf gegen A. zu seiner Sache gemacht hat , denkt konstitutiv von Ausschwitz her, weiß nur daß er gut daran tut, es nicht zu sagen


Felix Depner: Vergangenheit, die nicht vergehen will: Die Nachkriegsdeutschen und der Umgang mit der NS-Vergangenheit von 1945 bis zum Auschwitz-Prozess. Mannheim 2006

Antisemitismus

Antisemitismus ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das sich nicht auf die vermeintlichen Ränder oder Extreme beschränkt. Sein wesentliches Motiv ist das Bedürfnis nach Erklärung, Lokalisierung und Personifizierung von Missständen im eigenen Lebensumfeld, aber auch im globalen Zusammenhang. Angesichts einer heute immer komplexer erscheinenden, sich schnell verändernden Welt voller vielschichtiger Probleme bekommt der Wunsch nach einem Sündenbock eine neue Aktualität. Das Finden von vermeintlich Schuldigen entlastet in den unterschiedlichsten ideologischen Lagern und Bevölkerungsgruppen von der eigenen Verantwortung für die Gestaltung der Welt. Die Anpassungs- und Integrationsfähigkeit des Antisemitismus macht eine eindeutige und klar abgegrenzte Zuordnung bestimmter Erscheinungsweisen zu einzelnen Trägergruppen unmöglich. Mal wird die antisemitische Perspektive religiös begründet, mal rassistisch, mal emanzipatorisch, mal kapitalismuskritisch – oder sie benötigt gar keine Begründung, weil das Einverständnis des Gegenübers vorausgesetzt wird.

http://www.amira-berlin.de/Material/Publikationen/24.html

 
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