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31.05.2013 19h Workshop im Politsalon im Vetomat: Kritik der Scherbentheorie II,

Karawanehypothese meets 'Club für sich'



Kritik der Scherbentheorie II

Der 'Club für sich' beschreibt in seinem, im März von uns gelesenen Papier den Zustand der Zersplitterung der radikalen Linken in seinen inhaltlichen, weniger widersprüchlichen denn von einander getrennten Facetten und ihrer gesellschaftlich wirkungslosen, perspektivlosen Praxis, die nicht in der Lage ist, eine "kommunistische Totalität" zu entwickeln. Die Scherbentherorie benennt mit '1968' auch den historischen Bezugspunkt der heutigen Situation, scheitert aber an dieser Stelle in der Analyse, weil sie die tatsächlich danach aufgebrochen Widersprüche nicht auf den Begriff bringt und die wirk-liche Bewegung der 1970er Jahre nicht zu fassen vermag.

Schlüssig wird die damalige Entwicklung und einige feinere Aspekte der gegenwärtigen Malaise durch einen (an sich gar nicht so...) radikalen Perspektivwechsel, wie er mit der 'Karawanenhypothese' unternommen wurde. Sie beleuchtet den betrachteten Zyklus als (allerdings unvollendete) Kulturrevolution gegen das Patriarchat.

War die - verräterischer Weise durchaus an führender Stelle genannte - "Scherbe" der Frauenbewegung in der politischen Wirklichkeit der Hammer? Oder die Reaktion darauf?

Vortrag (Michael Klarmann) mit anschließender Diskussion. Vorherige gründliche Auseinandersetzung mit den folgenden Texten erbeten.


Zur Scherbentheorie

Im Sommer 2012 veröffentlichten Mitglieder des zu diesem Zeitpunkt bereits aufgelösten ‘Club für sich’ in Berlin eine so schonungslose wie solidarische Zustandsbeschreibung des Scherbenhaufens der hiesigen Linken. Mit dem in so Reizwort-besoffenen Zeiten wie heute mutigen Figur der “kommunistischen Totalität” zeigen sie in ihrem 16-seitigen Text zudem konsistente Perspektiven auf.

Beim Versuch, diesem Beitrag gerecht werden, verzichten wir an diesem Abend auf die lockere Salon-Atmosphäre zu Gunsten einer strukturierten Arbeit mit dem Text und folgen dabei schulmäßig den Schritten der kritischen Methode.

Wir beginnen den Abend gewissermaßen mit der 2. Lesung, der Würdigung. Wir tragen also zusammen, welche neue Einsichten uns der Beitrag vermittelt hat und beschreiben etwaige dadurch ausgelöste Erkenntnisprozesse. In 3. Lesung nehmen wir uns all jenes vor, womit wir Mühe haben, aus welchen Gründen auch immer. Wir versuchen als erstes und soweit erforderlich, uns kollektiv auf Augenhöhe mit dem Gegenstand zu bringen. Dies erfordert explizit eine selbstkritische, oder altmodisch ausgedrückt, demüte Haltung, also das ernste “ich verstehe noch nicht…”. Da die Scherbentheorie allerdings über weite Strecken eine gut lesbare Realanalyse ohne verwickelte philosophische Denkfiguren ist, wie sie einem theoretischen Traktat eigen sind, sollte uns diese Pein weitgehend erspart bleiben.

Der spannendste, auch weil zu selten geübte, Teil, also Auffassung, Aneignung, Selbstreflexion und kollektives Lernen ist damit bereits gehalten. Aber wenn die Kräfte noch für die 4. Lesung reichen, die Bearbeitung der Widersprüche, bitte schön.

Ob stumm, störend oder diszipliniert schon in Erscheinung getreten, jetzt schlägt unvermeidlich die Stunde eventueller Gegner des ganzen Ansatzes oder wesentlicher Teile davon. Der antagonistischen, der vernichtend gemeinten Kritik gebührt, als, wenn auch nicht weiterführenden, wohl aber formal weitergehenden Position, hier bei Bedarf der Vorrang. An dieser Stelle gabelt sich also das Programm des Abends: entweder endet er in der Kontroverse oder findet seinen Abschluß in der konstruktiven Kritik, der Kritik als Zuwendung an den Gegenstand, als vorantreibend verstandener Beitrag der Kritikerinnen zur gemeinsamen Sache, im schönsten Teil also.

In der – genau in diesem Sinne kritischen – Runde begrüßen wir alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich in Vorbereitung des Programms der 1. Lesung unterzogen, also den Text gelesen haben und themenzentriert mitarbeiten wollen. Publikum übernimmt die Theater-typische Rolle der Handarbeit und ist ebenfalls gerne gesehen, der Eintritt ist frei.


 
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