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"Der Kampf der Frauen, der Feminismus, wird vergebens bleiben, wenn nicht auch Männer ihre Befreiung aus dem Patriarchat in Angriff nehmen." - Volker Elis Pilgrim, 1973

Thesen zur patriarchalen, männlichen Reaktion auf den Feminismus

in den 1970er Jahren

  1. In dem die zweite Frauenbewegung in den westlichen Industrienationen die 1968er-Bewegung von innen revolutionierte, hob sie die männlichen Vorstellungen von Revolution in der Arbeiterbewegung praktisch auf.
    1. Die Frauen bestätigten damit allerdings auf verblüffende Art und Weise zentrale, aber bis dahin eigentlich unverständliche, esoterische Bemerkungen des frühen Marx.
  2. In dem sie Verhüten und Gebären, Kinder und Familie, Lieben und Sprechen, Aussehen und Fühlen, aber auch Männergewalt, unbezahlte Arbeit, Technologie und Ökologie auf die politische und private Agenda setzte, machte sie sich zur umfassenden, zur Kulturrevolution.
  3. So leichtfüßig die Revolution zu revolutionieren war, so sehr bissen sich die Frauen am archaischen Schildkrötenpanzer, mit dem der Revolutionär, wie jeder Mann, sein Inneres vor jeder tieferen Selbstreflexion schützte, die Zähne aus.
    1. Leser, Setzer und Schreiber selbstredend ausgenommen.
  4. Mit der Weigerung der männlichen Linken Anfang der 1970er Jahre, sich dem Primat des Feminismus unterzuordnen, also anzuerkennen, daß die Verhältnisse Kapital./.Fabrikarbeit und Staat./.Proletarierer ab jetzt nur mehr ein Aspekt, eine Achse unter mehreren ist, isolierte sie sich, spaltete die Revolte und sabotierte vollständige Revolution.
  5. Noch bevor die Frauenbewegung um 1973 ihre Form gefunden hatte, konkretisierte sich diese patriarchale Reaktion - als Pol - bereits 1969 in den operettenhaften Gründungen einer Vielzahl maoistischer, autoritärer Sekten ("DIE Partei"...), die ihren machistischen Charakter von Geburt an durch die lächerliche Konkurrenz untereinander vollendet zum Ausdruck brachten.
    1. Das schmälert nicht ihr zwei Verdienste: Sie hat die Folgen der nationalsozialistischen Bücherverbrennung rückgängig gemacht und sich der nachfolgenden politischen Generation (Spontaneismus->Autonomie) als Objekt der Kritik zur Verfügung gestellt. Sie hat auch den Kampf gegen den §218 unterstützt.
  6. 40 Jahre zurückliegende Geschichte der außerparlamentarischen Linken (ausserhalb der Frauenbewegung) ist bis auf den heutigen Tag zu lesen als allmählicher Aufweichungsprozess gegen zähesten hinhaltenden Widerstand des partriarchal-männlichen Subjekts.
  7. Die aktuelle Aufgabe von Kommunisten besteht darin, diesen Prozess aktiv zu beschleunigen, in dem sie diesen fatalen politischen Irrweg inhaltlich schonungslos aufarbeiten, ohne dass dabei irgend jemand zu Schaden kommt.
    1. Zu Letzterem dient die strikt voneinander getrennte Bearbeitung des politisch-äußerlichen und des viel schwerwiegenderen privaten Aspekts des Problems.
  8. S.o.

Zum Roten Abend der Internationalen KommunistInnen, mk/05.03.2013


Zitate und Texte zur Diskussion

  1. Barbara Suhr-Bartsch: "Der existenziell linke Kanon aus avantgardistisch-ideologischen Selbstbefriedigungen, dialektischen Haarspaltereien, gegenseitigen Verhackstückungen in inneren Zirkeln und unemanzipierter Zögerlichkeit in der Öffentlichkeit ist antiquiert. [...] Eine solche Linke ist nicht fähig, die wachsende Mehrheit der Systemskeptiker oder -verweigerer überzeugend mitzunehmen, da sind die Rechten weiter. " (Hervorhebungen von mir, mk) Eine wirklich ‚Neue Linke’ muss emanzipatorisch sein- oder sie wird nicht sein, 2007
  2. Helke Sander: REDE DES AKTIONSRATES ZUR BEFREIUNG DER FRAUEN auf der SDS-Delegiertenkonferenz Frankfurt 13. September 1968
  3. Karl Marx: Der 18. Brumaire, Passage Bürgerliche und proletarische Revolutionen Volltext: http://www.marxists.org/deutsch/archiv/marx-engels/1852/brumaire/kapitel1.htm
  4. Bericht von einer maoistischen Veranstaltung zum Frauentag in München. http://mao-projekt.de/BRD/FRA/Frauentag.shtml
  5. Valerie Solanas: "Männer können keine grundlegende Revolution herbeiführen..." Manifest, S.55 (zu These 5)
  6. Anja Meulenbelt: Auszug aus: feminismus und sozialismus
  7. Karl Marx et al: Deutsche Ideologie, s.35: Kommunismus, die wirkliche Bewegung
  8. Georg Lukacs: Methodisches zur Organisationsfrage Zum Stichwort Revolutionierung der Revolutionäre.
  9. Gruppe Internationale KommunistInnen, 03.10.20011 im Tristeza, Berlin / Veranstaltung „Perspektiven feministischer Organisierung nach dem Slutwalk“ - Die Rolle profeministischer Männer
  10. TREND-Gespräch #7 im Café Commune am 24.05.2012:Thesen-Papier (Thesen 1,2,3)
  11. Thread in Anschluß daran auf dem NAO-Blog
  12. Katrin Roenicke: Feminismus • Männerbilder • Zukunftsfragen - Unter Verdacht
 + + + work in progress. Diese Liste wird bis zum 06.03. eventuell noch verändert und erweitert. so stay tuned.
 
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